Krisenintervention in Unternehmen - ein Tabuthema

Jeden Monat stellen wir herausragende Mitglieder der HRM-Experts Group vor. Der Unternehmensberater des Monats März ist Willi Hofmann, der die Bedeutung einer Krisenintervention in Unternehmen hervorhebt.

Krisenintervention in Unternehmen
Willi Hofmann
Unternehmensberater / Karriereberater / Outplacement-Berater
Stellen Sie sich einmal vor...
- Eine Mitarbeiterin / ein Mitarbeiter ihres Unternehmens erleidet am Arbeitsplatz einen Herzinfarkt mit tödlichem Ausgang
- Eine Mitarbeiterin / ein Mitarbeiter ihres Unternehmens erleidet in der Freizeit einen Unfall mit tödlichem Ausgang
- Eine Mitarbeiterin / ein Mitarbeiter ihres Unternehmens begeht Suizid
Sie glauben, das wird nie passieren? Die Realität zeigt uns leider ein anderes Ergebnis.
Was machen Sie dann?
Die meisten Unternehmer*innen haben darauf keine Antwort. Über dieses Tabuthema wird nicht gesprochen. Man hofft, dass es nie eintritt. Und wenn doch, dann ist man in den meisten Fällen völlig überfordert.
Was passiert dann?
Kolleginnen und Kollegen der verstorbenen Person erleben im konkreten Fall Stressbelastungen, Traumatisierungen oder Schuldgefühle, die in ihren Ausprägungen unterschiedlichste und im Extremfall gravierende Auswirkungen für die unmittelbare weitere Berufsausübung haben können: künftige Vermeidung/Ablehnung bisheriger Tätigkeiten, persönliche Verunsicherung, Vertrauensverlust in das berufliche Umfeld, Kündigungen, …
Für die direkten Angehörigen dieser verstorbenen Person gibt es die Krisenintervention des Roten Kreuzes, die eine äußerst wertvolle und wesentliche Unterstützung bietet.
Für die betroffenen Kolleginnen und Kollegen gibt es diese Krisenintervention des Roten Kreuzes nicht.
Was ist eine Krisenintervention in Unternehmen?
Eine Krisenintervention in Unternehmen ist eine Intervention zu Trauma- und Stressverarbeitung nach tragischen / traumatischen Ereignissen. Diese Ereignisse können sein:
- Plötzliche Todesfälle am Arbeitsplatz / im Unternehmen
- Privat verunglückte / verstorbene Mitarbeiter*innen
- Suizide
- Arbeitsunfälle mit gravierenden Folgen (Personenschäden, Traumatisierungen, ...)
- Sonstige traumatische Ereignisse in Unternehmen (Gewaltandrohungen, psychosoziale Notfälle, Brände, ...)
Die Intervention widmet sich genau dieser Thematik und wird von externen Experten durchgeführt, die ausschließlich unternehmensintern, systemisch und zeitnah professionelle Interventionen bei den Betroffen setzen.
Diese Interventionen sind primär Methoden psychosozialer Natur, die einer umfassenden Einordnung und Aufarbeitung des bei den Betroffenen wahrgenommenen Geschehens dienen bzw. diese Aufarbeitung nachhaltig möglich machen.
Das praktische Vorgehen im Einsatz selbst ist jeweils situativ zu beurteilen und nicht im Detail beschreibbar. Die jeweilige Methodenwahl des Vorgehens orientiert sich primär an den vorgefundenen Gegebenheiten und fokussiert sich auf die nachfolgend angeführten Zielsetzungen für das Unternehmen und für die betroffenen Mitarbeiter.
Warum eine Krisenintervention in Unternehmen?
Die Vorteile einer professionellen Krisenintervention lassen sich unterteilen:
- Vermeidung von Kündigungen / Austritten / Umschulungen bei den betroffenen Mitarbeitern.
- Reduktion / Vermeidung längerer Ausfallszeiten bei den betroffenen Mitarbeitern.
- Präventionsstrategien zur Folgeunfallvermeidung.
- Informationsgewinn hinsichtlich sicherheitsrelevanter Gegebenheiten.
- Positives Differenzierungsmerkmal im Mitarbeiterangebot.
- Attraktivitätsgewinn bei Mitarbeitern und in der Öffentlichkeit.
- Wiedergewinnung von Vertrauen und Selbstsicherheit.
- Normalisieren von Schuldgefühlen.
- Strukturierte Aufarbeitung des Geschehenen/Erlebten.
- Stressverarbeitung und Stressabbau.
- Abgrenzung, Psychohygiene.
- Erkennen von persönlichen Ressourcen zur nachhaltigen, langfristigen Verarbeitung.
- Coaching für Selbsthilfe bzw. Bewältigungsstrategien.
Was spricht für eine Krisenintervention mit externen Experten?
Externe Experten haben im Vergleich zu (möglichen) unternehmensinternen Experten wesentliche Vorteile wie:
- eine Objektivität gegenüber den Betroffenen
- eine Objektivität zum Ereignis
- eine Objektivität zum Unternehmer / Auftraggeber
- eine Außensicht mit Einbringung zusätzlicher Sichtweisen
- eine Diskretion und Vertraulichkeit
- ein direktes und anlassbezogenes Vertragsverhältnis
- eine umfassende theoretische Aus- und Weiterbildung durch einschlägige Institutionen (z.B. Rotes Kreuz) hinsichtlich psychosozialer Grundlagen und gesetzlicher Vorgaben.
- eine ebenso umfassende und langjährige Erfahrung aus praktischen Einsätzen der akuten Krisenintervention, gemeinsam mit allen dort tätigen Einsatzorganisationen (Rotes Kreuz, Polizei, Feuerwehr, Bergrettung, usw.).
In jedem Fall handelt es sich um gereifte sowie integre Persönlichkeiten, die in der Lage sind, auch selbst mit derartigen Situationen professionell umgehen zu können.
Zusammenfassung
Mit dem Thema „Krisenintervention in Unternehmen“ wird ein Tabuthema vor den Vorhang geholt – mit einem Angebot zur professionellen Unterstützung. Eine Krisenintervention in Unternehmen zahlt sich in jedem Fall aus. Sowohl für das Unternehmen als auch für die betroffenen Mitarbeiter.
Sie haben Fragen zu diesem Thema oder suchen professionelle Unterstützung zu diesem Thema?
Hier finden Sie schnell und einfach professionelle Beraterinnen und Berater, die Sie gerne unterstützen.
Verfasser: Willi Hofmann